Nebel über der Stadt

22 Dezember 2006

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Der Kollege schreibt: Mich hat’s erwischt. Bin zurück aus Heathrow und sitze im Internetcafé, um Alternativen auszuloten. Kurz nachdem ich die Stadt verlassen habe, hat sich ein dichter Nebel über London gelegt. So dicht, dass Flüge verschoben und abgesagt wurden. Bei sueddeutsche.de gibt es unter dem Titel „Chaos in Heathrow“ ein dazu passendes Interview.

Das obige Bild ist das Cover des Buchs „This is London


Londons Beste

18 Dezember 2006

Natuerlich geht es nicht um die Besten, sondern nur um meine Favoriten. Aber es sind zumindest gut getesteste Tipps zum Essen, Trinken, Leben in London. Und als Dankeschoen an alle, die hier mit gelesen haben, sogar als PDF zum Ausdrucken, Mitnehmen und Hinreisen (einfach auf das kleine Bild klicken):

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Die besten Schuhe um die Stadt zu durchschreiten: Wahrscheinlich diese Paul Smith Schuhe, die den Stadtplan auf der Sohle haben.
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Der beste Stadtplan:
Wenn man ihn nicht an den Fuessen traegt, dann sollte er handlich in jede Tasche passen, deshalb London A to Z

Das beste Notizbuch:
Moleskine-London

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Der beste Stadtteil:
Shoreditch

Die beste Zeitung:
Der Guardian, montags mit sehr tollem Medienteil, am Wochenende gerne mal mit Tierwelt-Stickern (hier Meer dazu) und dem guide genannten Ausgehmagazin, billiger aber nicht schlechter als das Time out.

Der beste Bus: Route 243, Wood Green – Tottenham – Stamford Hill – Dalston – Shoreditch – Holborn – Waterloo

Der beste Supermarkt:
Tesco – allerdings nicht aus Qualitaetsgruenden, sondern aus Gewohnheit.

Der beste Ort, um ein Bier im Sitzen zu trinken:
Bar Prague, 6 Kingsland Road

Der beste Ort, um ein Bier im Stehen zu trinken:
Dreambags and Jaguar Shoes, 34 – 36 Kingsland Road
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Der beste Ort, um ein Bier zu trinken und dabei fast tanzend rumzuwippen:
The Catch Bar, 22 Kingsland Road
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Bester Club mit angeschlossenem Restaurant:
Favela Chic, 91 – 93 Great Eastern Street

Bester Club, wenn man einen Anzug traegt (oder den Besitzer kennt):
Tabernacle Bar, 55-61 Tabernacle Street

Bestes, weil wichtigstes Wort:
Cheers (abends und nachts), tagsueber eher Sorry

Beste Formel:
Durch zwei mal drei. Sorgt fuer ein Drittel Aufschlag auf den ohnenhin schon hohen Preis, rechnet also die Pfund-Angaben in Euro um. Uff.

Das beste Fruehstueck:
Macondo, 8&9 Hoxton Square
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Der beste Bagel:
Sie schreiben es Beigel und sollen sich weiter drueber streiten, welcher der beiden Shops in der Brick Lane besser ist: der Beigel Bake (hier ein tolles Foto anschauen) oder der Beigel Shop. Ich fand beide gut, kannte ja auch die Adresse: 155 bzw. 159 Brick Lane
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Der beste Vietnamese:
Cay Tre, 301 Old Street
„The speciality of the house, cha ca la vong (sliced monkfish with fennel and dill, marinated in galangal and saffron), was fried at the table for us by the friendly, helpful waitress.“

Der beste Italiener
Ist Brite und staendig im Fernsehen. Jamie Olivers 15 (Westland Place) ist trotzdem nett

Der beste Ort fuer bayerisches Heimweh:
Braucht man wirklich nicht. Wenn doch Bavarian Beerhouse (190 City Road) oder TirolerHut (27 Westbourne Grove)

Der beste Ort fuer kleine Konzerte:
Dublin Castle, 94 Parkway Camden

Der beste Ort fuer grosse Konzerte:
Brixton Academy, 211 Stockwell Road

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Der beste (weil vermutlich einzige) Ort um Tickets zu kaufen:
Stargreen am Oxford Circus

Das beste Kino:
Rich Mix, 35-47 Bethnal Green Road
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Das beste Museum:
Tate Modern, Bankside

Der beste Fussball-Verein: Queens Park Rangers.

Der beste Friseur:
Tommy Guns 49 Charlotte Road

Der beste Einrichtungs-Laden:
Do-Shop, 47 Beak Street

Der beste Kuchen:
Maison Bertaux, 28 Greek Street Soho

Der beste Wochenend-Markt:
Spitalfieldsmarket (near Liverpool Street) und anschliessend Columbia Flower Market, Columbia Road

Das zumindest am besten gelegene Hotel:
St Gregory, 100 Shoreditch High Street

Der beste Song ueber London: das sollen andere entscheiden. Hier ist eine Uebersicht ueber Lieder ueber die Stadt.


London Playlist

15 Dezember 2006

Meine 20 Songs zur Stadt:

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01. Hot Chip „And I Was a Boy From School

02. Art Brut „Nag Nag Nag Nag fuer die Zeile „How many girls have they seen naked?“

03. The Waifs „London Still

04. Pet Shop Boys „London“ fuer die Textzeile „We were in London / Lets do it – lets break the law!“

05. Arctic Monkeys „Who the fuck are the Artic Monkeys?“

06. Assembly Now „It’s Magnetic

07. Ripchord „Lock up your Daughters … fuer die Textzeile „You are much prettier than any girl I know from London Town“

08. The Clash „London Calling“

09. New Young Pony Club „Ice Cream“

10. Badly Drawn Boy „Born in the UK“ fuer das Konzert mit Schuettelfrost (ague).

11. The Pipettes „Judy“

12. The Smith „Panic“

13. Cansei de Ser Sexy: „Let’s make Love…

14. Lady Sovereign „Love me or hate me“ fuer die Zeile „I don’t like drinkin fancy champy, I’ll stick with Heineken beers.“

15. We are scientists „Against All Odds fuer den besten Konzertbeginn ever.

16. Mates of State: „Fraut In the 80s fuer die Textzeile „See it glow telling us to reign the streets of London.“

17. Tom Waits „You Never Could Hold Back Spring“

18. The Streets „Blinded by The Lights

19. The Cure: „Boys don’t cry“ fuer die tolle Verwendung im ebenso guten Starter for Ten

20. Au revoir Simone „Sad Song


Auf Wiedersehen – im CCTV

15 Dezember 2006

Fast vorbei. Und vielleicht auch ganz gut. Zum Abschluss der letzten Woche ein paar Gruende, warum es trotz allem Zeit wird, dass ich London wieder verlasse:

- Es gibt diese Sache mit Xen in Kurzmitteilungen (Text), die ich nicht verstehe und in die ich mich jetzt auch nicht mehr einarbeiten will. Manch einer textet ans Ende seiner Mitteilungen ein X. Das bedeutet wohl was Nettes, so wie eine Umarmung oder so. Diese Xe kann man aber auch noch steigern. Drei davon bedeuten – angeblich – I (1) Love (2) You (3). Das verwirrt mich zu sehr – denn wenn ich mich recht erinnere, erhielt ich unlaengst eine SMS mit drei Xen von meinem Mitbewohner.

Lily Allen und der weibliche Britpop ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen.

- Der Aufzug in meinem Haus (sechster Stock) spricht schon wieder nicht mehr mit mir, er ist kaputt.

- Ich will mal wieder einfach so ein ü tippen. Und noch eins ü, einfach so.

- Ein dicker Mann ist ausgerutscht und musste mit einem Kran wieder aufgestellt werden.

- Ein betrunkener Mann hat sich zum Schlafen auf die Eisenbahnschienen gelegt.

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- In den neueren Bussen gibt es Fernseher. Dort laueft (wie im Berliner Fenster) merkwuerdige Werbung. Vor allem fuer Fernreisen (muede Menschen sollen sich weit weg trauemen koennen), aber dann und wann schaltet der Fernseher auch auf CCTV, dann kann man sich selber (und seine Mitfahrer) sehen. Im Bild der Ueberwachungskameras. Das ist echt spooky (gruselig)

- Ich sag immer noch reflexartig „no problem“ wenn ich „no worries„, also „kein Problem“ meine. Das nennt man dann „I am dead loss“ (laut dict.cc: bei mir sind Hopfen und Malz verloren)

- Und ueberhaupt: Mein Geld ist jetzt alle. (dazu den Money Song von Team9 anhoeren).

Vokabeln der Woche: glib (schlagfertig), hustle and bustle (hektisches Treiben), horrendous (entsetzlich), tweezers (Pinzette), pencil sharpener (Bleistiftanspitzer), candlebra (Kerzenstaender), fraud (Betrueger), swaying (Auf und Ab), ague (Schuettelfrost)

P.S.: Das Bild daoben stammt natuerlich von Banksy


Oben und Unten

14 Dezember 2006

Ha, in der wunderbaren Ausstellung „Die Rueckkehr der Tiere“ (hier Meer) des ebenso wunderbaren Fotoshops in Hamburg gibt es zwei ganz grossartige Fotos eines kleinen Hundes, die die Rubriken „oben“ und „unten“ bei MeinMeer besser illustrieren als jede Erklaerung in Worten. Angucken!


Konzentriert merken

13 Dezember 2006

Was ich auf jeden Fall nicht vergessen darf: wie erfreulich und tatsaechlich in einer Form erfuellend es ist, einfach so zwei Stunden am Stueck konzentiert an einem Text schreiben zu koennen.


Endspurt

13 Dezember 2006

Nicht mal mehr 100 Stunden London und noch so viel zu tun:

Heute abend spielen die Rifles im Electric Ballroom in Camden.

Am Donnerstag gibt es adventliches Weihnachtssingen in St Pauls, das kostenlose Christmas Carol Konzert beginnt um 18.30 Uhr.

Am Freitag gibt es ein weiteres Event aus der Mobile Clubbing Reihe (mehr dazu hier und jetzt), diesmal die „Pillow Fight Club“ genannten oeffentliche Kissenschlacht, ab 18.12. Uhr in der Leadenhall Street.

Am Samstag spielen die Queens Park Rangers in der zweiten englischen Liga gegen die Wolves (Wolverhampton Wanderers) und ich muss unbedingt hingehen. Hier ja schon etwas verwirrt und verwirrend angekuendigt.

Und am Samstag wird auch eine Ausstellung von Peter Kennard eroeffnet. Das ist der Mann, der das tollte Blair-Bild zu Santas Ghetto beigesteuert hat.


Loftus Road

12 Dezember 2006

England ohne Fussball gilt nicht. Aber Chelsea oder Arsenal kann ja jeder angucken (kann man eben nicht, aber egal), deshalb mach ichs jetzt so:

So faehrt man zum Stadion.

So sieht das Stadion aus.

Und bestimmt wirds super!


Essen, Britpop und der Standard

9 Dezember 2006

Die letzte Woche beginnt doch das Lernen hoert nicht auf.

Aufgrund des Konkurrenzkampfes der Umsonst-Zeitungen an Londoner U-Bahnen sind die Verkauefer des Evening Standards manchmal etwas unterbeschaeftigt. Die Schrift auf ihren merkwuerdigen Schildern ist aber besonders – mir jedenfalls gefaellt sie sehr.

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Deutsche in London sind doof. In grossen Gruppen bestaetigt findet man das uebrigens im Bavarian Beerhouse. Der Meatloaf Bavarian-style dort ist weit besser als die Anzugtraeger dort nett sind.

Noch etwas besser schmeckt es ja tatsaechlich beim Pret a manger, dem Sandwichladen, der mindestens so oft gelobt wurde, wie er Filialen in London hat. Tatsaechlich gut. Besser als Wagamama.

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Haeufiger als die „Mind the gap“-Durchsage ist derzeit uebrigens der etwas nervige Oystercard-Hinweis, dass man selbige korrekt benutzen soll „if you don’t touch in“.

Wenn die wunderbaren Ripchord in London spielen, interessiert das nicht mal sechs Leute. So geschehen am Montag abend am Hoxton Square. Dabei sind die echt toll (hier anhoeren). Aber wahrscheinlich gibt es hier einfach zu viele Britpopbands als dass diese jungen Musiker weit mehr als sechs Zuschauer bewegen koennten, an einem Montag auszugehen.

Wenn sie mal bekannt werden, kann ich aber sagen, ich kannte sie schon, als sie noch total unbekannt waren.

Leider ziemlich doof ist uebrigens der Portobello Road Market, da gibt es echt schoenere Maerkte in der Stadt.

Sehr schoen ist dafuer der Holland Park, mit sehr netten Eichhoernchen.

Schon heute merken, um sich in drei Wochen dran zu erinnern: ein taegliches Londonfoto bei London Daily Photo.

Uebrigens: Der Erfinder der Million Dollar Homepage ist zurueck. Er lebt jetzt in London, was er als naechste vorhat, steht hier.

Vokabeln der Woche: revoling door (Drehtuer), dole (Arbeitslosengeld), Brussels sprouts (Rosenkohl), meatloaf (Leberkaese), habe ausserdem gelernt, was ein Chav ist.


Was keiner lesen will, …

7 Dezember 2006

… ist dieser neunmalkluge vermeintlich weltmaennische Habitus, mit dem „Internationale“ Deutschland angucken.

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Was aber trotzdem stimmt:

Dass deutsches Vollkornbrot wirklich viel besser schmeckt als dieses Sandwich-Brot.

Dass es echt schwierig ist, sich wieder an die deutsche Tastatur zu gewoehnen, nee gewöhnen.

Dass in der Muenchner (sic!) U-Bahn ja mal gar nix los ist.

Und einem alles ploetzlich so klein vorkommt.

Dass Weihnachtsmaerkte – wenn man ehrlich ist – doch nerven.

Und man die ganze Post, die sich gesammelt hat, wirklich nicht lesen will.

Dass London wahnsinnig teuer ist.

Und hier dann doch die tolleren Leute leben.

Dass Zuhause einfach super ist!